Adventsbräuche – Geschichte und Bedeutung der Adventszeit

Tasse Tee vor Kaminfeuer

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Wenn wir am vierten Sonntag vor Weihnachten die erste Kerze am Adventskranz anzünden, beginnt die lange Zeit des Wartens. Besonders Kinder sehnen den Heiligen Abend herbei, weil sie dann endlich wissen, welche Wünsche das Christkind oder der Weihnachtsmann erfüllt haben. Uns Erwachsenen kommt es dagegen so vor, als ob die Zeit vor dem großen Fest wie im Flug vergeht. So geht der Zauber der Adventszeit manchmal in der Hektik der Vorweihnachtszeit verloren und zwischen Weihnachtsfeiern und Geschenke-Shopping bleibt oft keine Zeit für einen besinnlichen Moment.

Dabei stehen gerade Stille und innere Einkehr für die Adventszeit und ihre Bedeutung. Nicht umsonst gelten die vier Wochen vor Weihnachten ursprünglich als die stillste Zeit des Jahres. Bis ins frühe 20. Jahrhundert schrieb das katholische Kirchenrecht den Gläubigen sogar vor, während der Adventszeit zu fasten. Wie sind die Adventszeit und ihre Bräuche eigentlich entstanden? Und welche Bedeutung haben sie heute sowohl für gläubige Christen als auch für alle Menschen, die sich auf das Weihnachtsfest freuen?

Zeit der Ankunft: christliche Bedeutung des Advents

Die christliche Bedeutung des Advents

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Der Begriff „Advent“ hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache. Es stammt von dem Verb „advenire“, was übersetzt so viel wie „ankommen, erwarten“ heißt. So bereiten sich die Christen in der Adventszeit also auf die Ankunft ihres Erlösers Jesus Christus vor, dessen Geburt an Weihnachten gefeiert wird. Übrigens beginnt in jedem Jahr mit dem ersten Adventssonntag das neue Kirchenjahr, der zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember liegt.

In den Anfängen des Christentums dauerte die Adventszeit noch fünf bis sechs Wochen, bis Papst Gregor der Große im 6. Jahrhundert bei einem Konzil ihre Dauer auf vier Wochen verkürzte. Die vier Adventssonntage stehen dabei symbolisch für die 4.000 Jahre, die die Welt nach christlicher Auffassung auf die Geburt des Heilands gewartet hat. Im Mittelalter glaubte man nämlich, dass die Erde genau 4.000 Jahre alt war, als Jesus geboren wurde.

Da die Adventszeit in erster Linie der Besinnung auf Gott dienen sollte, fasteten gläubige Christen in den vier Wochen vor Weihnachten. Diese Tradition können Sie heute noch daran erkennen, dass die Geistlichen in der Adventszeit Violett tragen, die traditionelle Kirchenfarbe für Buße und Trauer. Dass der Karpfen in vielen Familien zum klassischen Festschmaus am Heiligen Abend gehört, ist ebenfalls ein Relikt aus der Fastenzeit. Fisch zählte eben zu den Nahrungsmitteln, deren Genuss während der Fastenzeit erlaubt war.

Vom Fasten zum Feiern: Adventszeit im Wandel

Weihnachtsmärkte gehören auch zur Adventszeit

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Im Jahr 1917 beendete die Kirche dann die jahrhundertealte Tradition, während der Adventszeit zu fasten. Seitdem dürfen gläubige Christen auch schon vor dem offiziellen Geburtstag von Jesus nach Herzenslust weihnachtliche Leckereien genießen. Mittlerweile gehören Glühwein, Lebkuchen & Co. fest zur Adventszeit hinzu, genauso wie Adventskonzerte und Weihnachtsmärkte. Immerhin: In Deutschland soll es laut Angaben eines Online-Portals mehr als 3.400 Weihnachtsmärkte geben!

Im Vordergrund steht also nicht mehr die Buße, sondern die Freude auf die Geburt Jesu und das Weihnachtsfest. Deutlich wird dieser Wandel auch an den typischen Farben in der Adventszeit: Auch wenn die Farbpalette für vorweihnachtliche Deko-Artikel riesig ist – Rot und Grün sind nach wie vor die Dauerbrenner. Schon die Germanen dekorierten ihr Heim mit immergrünen Pflanzen. Zweige von Nadelbäumen waren damals besonders beliebt, um böse Geister abzuwehren. Im Christentum symbolisiert die Farbe Grün nicht nur die Hoffnung, sondern auch die Treue zu Gott. Und Rot steht seit jeher für pure Lebensfreude.

Adventskranz und Adventskalender: Adventsbräuche mit Geschichte

Licht hat eine wichtige Bedeutung in der Adventszeit. Lichterketten und Lichterbögen sorgen für Helligkeit an dunklen Dezembertagen und tauchen Wohngebiete und Innenstädte in eine vorweihnachtliche Atmosphäre. Im Christentum hat das Licht eine besondere Bedeutung: Die Geburt des Erlösers wird als Erleuchtung in der Finsternis gefeiert.

Der Adventskranz als das Symbol der Adventszeit

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Um Licht in die winterliche Stube zu bringen, pflegen viele Familien nach wie vor die Tradition des Adventskranzes. Ob als klassische Variante mit grünen Tannenzweigen und roten Stumpenkerzen oder in modernem Design – die Kerzen erinnern an die langsame Erhellung in der Dunkelheit und verbreiten eine ordentliche Portion Gemütlichkeit. Übrigens zählt der Adventskranz in der heutigen Form zu den noch recht jungen Adventsbräuchen, auch wenn unsere Vorfahren bereits die Verstorbenen mit Grabkränzen ehrten. Die runde Form beschreibt den zyklischen Ablauf des Lebens – das der Menschen und das der Natur. Den ersten Adventskranz stellte Johann Hinrich Wichern im Jahr 1839 auf. Er war Leiter eines Waisenhauses und schmückte damals einen Holzreifen mit 23 Kerzen. Später dann setzte sich die Tradition durch, vier Kerzen stellvertretend für die vier Adventssonntage anzuzünden.

Besonders für Kinder eine beliebte Tradition: Adventskalender

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Ein weiterer alter Adventsbrauch steht wie kaum ein anderer für die Ungeduld und Vorfreude auf das Weihnachtsfest: Der Adventskalender erfreut kleine und große Wartende jeden Tag mit kleinen Leckereien oder anderen Aufmerksamkeiten. Der Fantasie sind beim Bestücken der 24 Türchen keine Grenzen gesetzt. Die Idee, den Kindern die lange Wartezeit bis Weihnachten mit verschiedenen Adventsbräuchen zu versüßen, stammt von Martin Luther. Der Adventskalender selbst setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch, damals meistens noch ohne kostbare Schokoladen-Füllung. Oft waren die Kalender handgefertigt und mit weihnachtlichen Motiven versehen.

Adventszeit bedeutet auch Gemütlichkeit

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Heute versinkt die besinnliche Stimmung der Adventszeit oft im Konsumrausch. Alte Bräuche und Rituale helfen dabei, in diesen hektischen vier Wochen zur Ruhe zu kommen. Also: Schaffen Sie kleine Inseln in Ihrem Alltag und gönnen Sie sich Augenblicke der Stille, denn das entspricht der eigentlichen Bedeutung der Adventszeit. Zünden Sie Kerzen an, machen Sie es sich mit ein paar Keksen und einer Tasse Tee gemütlich, laden Sie Freunde zum Adventsessen ein und gehen Sie alten Adventsbräuchen nach. Aber vor allem: Genießen Sie die vorweihnachtliche Stimmung so oft wie möglich mit Ihrer Familie!

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  1. […] 20. Jahrhunderts nicht nur bei Kindern großer Beliebtheit erfreut. Auch die Großen wissen diese vorweihnachtliche Tradition zu schätzen. Denn wer findet es nicht schön, an den ersten 24 Dezembertagen mit einer liebevoll […]

  2. […] kann ziemlich anstrengend sein. So schön die festlichen Zusammenkünfte sind, so wichtig sind die Stunden zum Entspannen und Kuscheln mit der Familie. Nehmen Sie sich also genug Zeit, um die weihnachtliche Stimmung in Ruhe zu genießen! In der […]

  3. […] Wenn es draußen stürmt und schneit, freut sich die ganze Familie über weihnachtliche Düfte, die durchs Haus ziehen. Jetzt ist die Zeit gekommen, es sich zuhause bei Kerzenschein, einem heißen Tee und leckerem Weihnachtsgebäck gemütlich zu machen. Momente, die in der hektischen Vorweihnachtszeit oft zu kurz kommen, dabei aber unerlässlich sind, um weihnachtliche Vorfreude zu wecken. […]

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