Wenn Weihnachten naht und sich ganz Deutschland auf das Fest der Liebe vorbereitet, kommt es oft zu einem kleinen Glaubenskrieg. In Ihrer Familie wurde doch sicher auch schon über diese Frage diskutiert: Wer legt am Heiligen Abend die Geschenke unter den Tannenbaum? Das Christkind oder der Weihnachtsmann? Und welche Geschichte erzählen Sie Ihren Kindern, gerade wenn Mama und Papa aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands stammen? Die vom sanften, geheimnisvollen Christkind, das nach religiöser Tradition die Geschenke bringt, oder die vom gütigen, weißbärtigen Weihnachtsmann, der seit einer Werbekampagne von Coca-Cola nur noch Rot trägt?

Auch wenn jede Familie ihre eigenen Traditionen zu Weihnachten pflegt – die Frage, ob das Christkind oder der Weihnachtsmann für die Bescherung zuständig ist, entscheidet meistens die geografische Lage. Im Groben kümmert sich das Christkind um den Süden und Westen Deutschlands, der Weihnachtsmann dagegen übernimmt den Norden und Osten des Landes. Eine eindeutige Grenze zwischen dem Hoheitsgebiet der beiden kann man allerdings nicht ziehen.

Wir möchten im folgenden Artikel die Geschichte der zwei wichtigsten Weihnachtsfiguren erzählen und ein paar Fragen zu deren Entstehung beantworten. Hat Coca-Cola wirklich den Weihnachtsmann erfunden? Warum trägt der Weihnachtsmann eigentlich Rot? Und wieso sieht das Christkind auf Bildern und Weihnachtskarten aus wie ein Mädchen, wenn es doch eigentlich ein Symbol für das neugeborene Jesuskind ist?

Wer von den beiden Figuren für die Bescherung zuständig ist und ob eventuell unbekannte Dritte ihre Finger mit im Spiel haben, konnten wir bei unseren Recherchen leider nicht sicher in Erfahrung bringen.

Religiöse Tradition: die Geschichte vom Christkind

„Still und unerkannt“ – so wird das Christkind in dem bekannten Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“ beschrieben. Und genau diese Eigenschaften üben wahrscheinlich den größten Reiz auf Kinderseelen aus. Die Faszination lebt dabei von dem Geheimnis und der Frage, wie das Christkind wirklich aussehen mag. Denn niemand hat es bisher leibhaftig gesehen, oder kennen Sie jemanden?

Gläubige Christen wachsen mit der Tradition des Christkinds auf. Besonders in südlichen und westlichen Regionen Deutschlands ist der Glaube an das göttliche Kind verbreitet. Doch wie ist das Brauchtum rund um das Christkind entstanden? Und seit wann erzählen Christen ihren Kindern die Geschichte vom Christkind als Gabenbringer?

Bis ins 16. Jahrhundert war es üblich, dass der heilige Nikolaus die Kinder beschenkt. Am Vorabend des sechsten Dezembers ging er gemeinsam mit Knecht Ruprecht von Tür zu Tür, der dann die gefürchtete Frage stellte: „Sind`s gute Kind, sind`s böse Kind?“

Martin Luther hielt nichts von dieser katholischen Art der Heiligenverehrung und legte den Tag der Bescherung auf den Heiligen Abend. Damit auch die protestantischen Kinder in der Weihnachtszeit Geschenke erhielten, erfand er als Ersatz für den Nikolaus das Christkind, zunächst „Heiliger Christ“ genannt. Ursprünglich dachten die Protestanten bei dieser Bezeichnung an den erwachsenen Jesus. Nach und nach wandelte sich jedoch die Vorstellung vom Erscheinungsbild des Christkinds. Ursache dafür sind sicher die zahlreichen Festumzüge und Krippenspiele, die in vergangenen Jahrhunderten fester Bestandteil der Weihnachtszeit waren. Mittlerweile erscheint das Christkind wie ein Engel mit goldenen Locken und im weiß-goldenen Gewand.

Das Christkind, wie wir es heute kennen, ist eine mythologische Gestalt. In ihr steckt ein bisschen Engel und ein bisschen Jesuskind – ein Geschlecht lässt sich dem Christkind also nicht zuordnen. Letztendlich bleibt es unserer Fantasie überlassen, wie das göttliche Wesen aussieht, das alle Jahre wieder still und heimlich die Geschenke unter den Baum legt. Als einziges Lebenszeichen hinterlässt es oft nur das Bimmeln eines Glöckchens, das die Ankunft der Geschenke verkündet.

Weihnachtsmann und Coca-Cola – eine heilige Allianz

Kind schreibt Brief an Santa

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Er ist eine Märchengestalt, die nahezu jedes Kind auf der ganzen Welt kennt: Der Weihnachtsmann heißt in Amerika Santa Claus und in Russland Väterchen Frost. Sein Zuhause liegt am Nordpol, wo er mit einer großen Schar an Wichteln und Elfen Geschenke für Weihnachten bastelt. Wenn es dann so weit ist, setzt er sich in seinen Rentierschlitten, um sich auf den Weg in die zahlreichen Schornsteine zu machen und die Gaben unter den Tannenbaum zu legen.

Entstanden ist die Figur des Weihnachtsmanns aus der Legende vom heiligen Nikolaus von Myra, Schutzpatron der Kinder und Armen. Nachdem sich durch Martin Luther das Christkind auch in katholischen Regionen als Gabenbringer etabliert hatte, setzte sich im Norden und Osten Deutschlands mehr und mehr die Gestalt des Weihnachtsmanns als Abwandlung des Nikolaus durch.

Warum trägt der Weihnachtsmann Rot?

Weihnachtsmann trägt Rot

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Doch warum trägt der Weihnachtsmann Rot? Was ist dran an dem Mythos, dass ein bekannter Getränkehersteller diese Farbwahl getroffen hat? Schließlich ist Nikolaus ein Bischof, der in der katholischen Kirche traditionell Violett trägt.

Es ist eine moderne Legende, dass Coca-Cola für das rote Gewand des Weihnachtsmanns verantwortlich ist. Schon in dem berühmten Kinderbuch vom Struwwelpeter von 1844 gibt es eine Darstellung des Weihnachtsmanns, wie wir ihn heute kennen. Und dank des Karikaturisten Thomas Nast bekam der Weihnachtsmann schließlich all seine typischen Attribute: weißer Rauschebart, leuchtende Pausbacken, rote Mütze und rotes Gewand, mollig und lustig.

Als Coca-Cola schließlich im Jahr 1931 den Grafiker Haddon Sundblom beauftragte, den Weihnachtsmann für eine Werbekampagne zu zeichnen, bediente der sich an den bereits vorhandenen Darstellungen des korpulenten und gemütlichen Mannes in Rot-Weiß. Allerdings hat die Darstellung der jahrzehntelangen Coca-Cola-Werbung das Bild vom Weihnachtsmann weltweit geprägt. Bis ins Jahr 1966 fertigte Sundblom neue Zeichnungen an, die den Weihnachtsmann stets im selben Outfit und mit demselben freundlichen Gemüt zeigten.

Dieses Bild griffen auch die modernen Medien auf: Unzählige Hollywood-Filme drehen sich um die Geschichte und den Mythos des Weihnachtsmanns. Seinen Zauber hat der gütige Mann vom Nordpol dennoch nicht verloren: Kinder wie Erwachsene lieben den freundlichen Weihnachtsmann, dem kein Hindernis zu groß ist, um an Weihnachten pünktlich die Geschenke zu liefern.